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Schimmel ein Zivilisationsproblem

Viele Gerichtsurteile aus den letzten Jahren gehen aufgrund von Ansprüchen und Vorstellungen der Wohnungsnutzer von falschen Voraussetzungen aus. Im Wesentlichen betrifft das den Aufwand des Lüftens und die Art der Möblierung.

Oft wird über eine zumutbare Zahl der Stoßlüftungen beraten und beurteilt; dabei geht es nicht nur um Zumutbarkeit, sondern um die Notwendigkeit aufgrund der wohnbedingten Feuchtebelastung und der Schadensempfindlichkeit der Gebäude, abgesehen davon, dass zur Schimmelpilzvermeidung Stoßlüften wenig geeignet ist. Auch zur Möbelaufstellung gibt es falsche Vorstellungen.

Zitat aus Gerichtsgutachten: „Es ist für den Mieter unzumutbar, große Möbelstücke 10 cm von der Wand abzurücken oder an bestimmten Stellen überhaupt keine Möbel aufzustellen.“ Und „Der Mieter muss nach Ansicht des Gerichts die Möglichkeit haben, seine Möbel grundsätzlich an jeden beliebigen Platz der Wohnung nahe der Wand aufzustellen.“

Nach DIN 4108-2 Wärmeschutz im Hochbau von 2003 wird hierzu eine klare Aussage gemacht, nämlich: „Eine gleichmäßige Beheizung und ausreichende Belüftung der Räume sowie eine weitgehende ungehinderte Luftzirkulation an den Außenwandoberflächen werden vorausgesetzt.“ (Abschnitt 6.1.).

Auch hier ist entscheidend, was aus bauphysikalischen Gesichtspunkten vertretbar oder notwendig ist. Ein offenes Regal kann z.B. an einer Außenwand stehen, aber ein großer Schrank kann die Luftzirkulation dahinter stark behindern. Auch in diesem Fall werden die Ansprüche der Bewohner durch bauphysikalische Erfordernisse begrenzt. Insofern kann es bei Mietwohnungen durchaus vorteilhaft sein, vor der Vermietung mit den potentiellen Mieter Varianten und Möglichkeiten bzw. Unmöglichkeiten der Wohnungsmöblierung im Voraus abzusprechen.