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Sachverständiger –
was ist das?


Regeln des Berufsstands

Die Bezeichnung Sachverständiger ist in Deutschland nicht geschützt. Wer sich jahrelang mit einer bestimmten Sache fachlich beschäftigt, kann auch ohne besondere Qualifikation irgendwann bezüglich dieser Sache „verständig“ sein und sich Sachverständiger nennen. Selbst wenn ein nicht ausreichend qualifizierter Laie den Titel Sachverständiger führt, ist dieser Sachverhalt an sich nicht strafbar.

Prinzipiell kann sich jeder auf einem beliebigen Fachgebiet nach eigenem Ermessen als ausreichend kompetent betrachten und ohne weitere öffentlich-rechtliche Hürde den Titel Sachverständiger führen, solange nicht der Tatbestand einer Täuschung vorliegt. Das ist dann der Fall, wenn sich jemand unter Vorspiegelung falscher Angaben zu seiner Qualifikation beauftragen lässt und den Auftrag dann wegen ungenügender Eignung fehlerhaft erfüllt.

Dann allerdings kann die Angelegenheit teuer werden, wenn sich die Haftungsansprüche der Kunden gegen den „Sachverständigen v.e.G.“ – von eigenen Gnaden – richten.

Die Führung eines Stempels mit dem Hinweis der Bestellungskörperschaft und der Zulassungsnummer bleibt nur öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen (Rundstempel) sowie zertifizierten Sachverständigen (andere Stempelform) vorbehalten.

Auf bestimmten Sachkundegebieten werden von verschiedenen Instituten Sachverständigenausbildungen angeboten, die in der Regel mit einer Zertifizierungsprüfung abschließen. Zuvor muss der Nachweis der überdurchschnittlichen Kenntnisse und Erfahrungen erbracht werden sowie die persönliche unabhängige, unparteiische, weisungsfreie Tätigkeit sichergestellt sein. Die Zertifizierung ist eine Personenzertifizierung nach DIN EN ISO/IEC 17024. Die Zertifizierungsprüfung erfolgt in der Regel in drei Teilen wie folgt:

  • Gutachtenüberprüfung

  • schriftliche Sachkundeprüfung

  • mündliche Sachkundeprüfung

Bei erfolgreich abgeschlossener Zertifizierungsprüfung erhält der Sachverständige eine Zertifizierungsurkunde und einen Stempel.

Der Aufgabenbereich des zertifizierten Sachverständigen entspricht im Wesentlichen dem der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen, manchmal mit dem Unterschied, dass eine gerichtliche Beauftragung nur in geringerem Umfang zu erwarten ist.

Die Überwachung der Tätigkeit und der Weiterbildungspflicht erfolgt durch die Zertifizierungsstelle, welche bei Verstößen gegen den Pflichtenkatalog die Zertifizierung auch wieder aberkennen kann.