Inhalt


Versichert für den Bau: Was ist durch wen versichert?


Versichert für den Bau: Was ist durch wen versichert?

Insbesondere während der Bauphase drohen Schäden drohen Schäden und gefahren, für die verschiedenartige Versicherungen abgeschlossen werden können.
Bei den am Bau beteiligten besteht jedoch oft Unklarheit darüber, welche Schäden durch welche Versicherung abgesichert sind.


1. Bauleistungsversicherung

Die Bauleistungsversicherung versichert gemäß § 2ABN/ABU unvorhergesehene Beschädigungen oder Zerstörungen. ABN steht für Allgemeine Bedingungen für die Bauwesenversicherung von Gebäudeneubauten durch Auftraggeber, ABU für Allgemeine Bedingungen für die Bauwesenversicherung von Unternehmerleistungen.

Unvorhergesehen bedeutet, dass weder rechtzeitig vorhergesehen wurden noch mit dem für die betreffende Tätigkeit erforderliches Fachwissen hätte vorhergesehen werden können. Sofern grobe Fahrlässigkeit zu einem Schaden geführt hat, ist der Versicherte berechtigt, seine Leistungen entsprechend der Schwere des Verschuldens zu kürzen.


Mitversichert sind unvorhergesehen Schäden, die auf Baumängel zurückzuführen sind, sogenannte Mangelfolgeschäden. Demgegenüber nicht versichert sind die Mängel, mithin die mangelhafte Leistung selbst.

Die Bauleistungsversicherung kann sowohl vom Bauherren als auch von den ausführenden Unternehmen abgeschlossen werden. Sie dient dem Interesse des Unternehmers, weil sie die sich in der Herstellung befindliche Leistung Versichert und der Unternehmer gemäß § 644 BGB bis zur Abnahme die Leistungsgefahr trägt.

Wenn die Leistung bis zur Abnahme zerstört oder beschädigt wird, muss der Unternehmer die Leistung unentgeltliche nochmal ausführen; gegen diese Risiko kann er die Bauleistungsversicherung abschließen.

Gleichermaßen dient die Bauleistungsversicherung dem Interesse des Bauherren: Haben die Parteien die Geltung der VOB vereinbart, trägt der Bauherr abweichend von § 644 BGB das Risiko der Beschädigung oder des Untergangs der bereits erbrachten Leistung. Darüber hinaus kann der Bauherr sich mit der Bauleistungsversicherung dagegen absichern, dass ein Unternehmen finanziell überfordert wär, eine Leistung ohne erneute Vergütung auszuführen.
Für die Bauleistungsversicherung des Auftraggebers gelten die ABN der Versicherer. Sie versichert neben dem Auftraggeberrisiko alle Unternehmen, die der Bauherr beauftragt einschließlich deren Nachunternehmer.. Demgegenüber richtet sich  die Bauleistungsversicherung des Unternehmers nach dem ABU der Versicherer; sie versichert die Leistung des Unternehmers einschließlich seiner Nachunternehmer.

Zu den ABN/ABU existieren verschiedene Klauseln, die in den Versicherungsvertrag zur Absicherung weiterer Risiken aufgenommen werden können. Da beim Bauen im Bestand der vorhandene Altbau nicht mitversichert ist, sollte bei derartigen Bauvorhaben der Altbau beispielsweise über die Klauseln 80 und 81 ausdrücklich mitversichert werden.


2. Haftpflichtversicherung

Neben der Bauleistungsversicherung sind bei der Schadensregulierung insbesondre die Die Haftpflichtversicherungen der am Bau Beteiligten relevant.


Die Bauherrenhaftpflichtversicherung deckt das  Haftungsrisiko des Bauherren für Personen- und Sachschäden infolge der Baumaßnahme ab. Relevant ist diese Versicherung insbesondere im Hinblick auf Schäden an Nachbargebäuden, weil der Bauherr gegenüber Nachbarn gemäß ³ 906 BGB analog verschuldensunabhängig auf Entschädigung haftet. In solchen Fällen kann sich der Bauherr einer Haftung daher nicht dadurch entziehen, dass er alle Leistungen an zuverlässige Planer und Unternehmen vergeben hat.


Die Berufshaftpflicht der Architekten  und Ingenieure versichert alle Tätigkeiten, die zum jeweiligen Berufsbild gehören, und richtet sich inhaltlich nach den in den Versicherungsverträgen regelmäßig vereinbarten AHB ( Allgemeine Haftpflichtbedingungen) sowie den besonderen Bedingungen sowie den besonderen Bedingungen und Risikobeschreibungen für Architekten (BBR/ARCH). Augenmerk ist insbesondere auf die Ausschlussregelungen der BBR zu richten, liegen die Voraussetzungen dieser Ausschlussregelungen vor, muss die Versicherung keinen Versicherungsschutz gewähren, beispielsweise bei einer Inanspruchnahme durch den Bauherren wegen Überschreitung von Terminen oder Baukostensteigerungen.


Ferner sei auf die Ausschlussregelung in A IV Nr. 8 BBR/ARCH hingewiesen, die so genannte Pflichtwidrigkeitsklausel. Nach dieser Klausel besteht kein Versicherungsschutz für Schäden durch bewusst gesetz-, vorschrifts-, oder sonst pflichtwidriges Verhalten. Nach dieser Pflichtwidrigkeitsklausel ist Versicherungsschutz bereit dann versagt, wenn der Architekt/Ingenieur oder einer seiner mitversicherten Betriebsangehörigen weiß, dass die Architekten-/Ingenieurleistung nicht den Anforderungen des Vertrages, den DIN-Vorschriften, sonstigen technischen Regelwerken oder den Unfallvorschriften entspricht. Dabei unterstellt die Rechtsprechung bei schweren Verstößen beispielsweise gegen Elementarwissen, dass das Bewusstsein bezüglich des Pflichtverstoßes vorlag.


Die Betriebs Haftpflichtversicherung des ausführenden Unternehmers versichert die im Versicherungsschein benannte betriebliche Tätigkeit. Es gelten regelmäßig die AHB mit weiteren zusätzlichen Versicherungsbedingungen. Die Betriebshaftpflichtversicherung deckt Personen- und Sachschaden ab. Nicht versichert sind dem gegenüber die Vertragserfüllung und die an die Stelle der Erfüllungsleistung tretende Ersatzleistung. Demnach kann die Betriebshaftpflichtversicherung des Unternehmers nicht für Nachbesserungskosten bei Mängeln  einschließlich aller Nebenkosten in Anspruch genommen werden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, eine Mängelbeseitigungsnebenkostenklausel zu vereinbaren und den Versicherungsschutz insoweit zu erweitern.


Quelle: VBI Fachmagazin für Planen und Bauen/Dr. Eva Reininghaus