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Abnahme von Architekten- und Ingenieurleistungen


Sowohl Architekten und Ingenieure als auch Auftraggeber haben der Abnahme von Architekten- und Ingenieurleistungen bislang kaum Bedeutung zugemessen.

Diese Praxis ist darauf zurück zu führen, dass die Fälligkeit des Honorars, anders als die Vergütung von Bauleistungen, bislang nicht an die Abnahme, sondern lediglich an die Abnahmefähigkeit der erbrachten Leistung geknüpft ist: Gemäß § 15 Abs. 1 HOAI 2009 wird das Honorar fällig, soweit nichts anderes vertraglich vereinbart ist, wenn die Leistung vertragsgemäß und eine prüffähige Honorarschlussrechnung überreicht worden ist.

Mit der seit dem 17. Juli 2013 geltenden HOAI  ist die Fälligkeit des Honoraranspruchs nunmehr auch an die Abnahme der Architekten- und Ingenieurleistungen geknüpft. Das Honorar für Leistungen wird gemäß § 15 Abs. 1 HOAI 2013 fällig, wenn die Leistung abgenommen und eine prüffähige Honorarschlussrechnung überreicht worden ist, es sei denn, es wurde etwas anderes schriftlich vereinbart.

Für alle ab dem 17. Juli 2013 geschlossenen Verträge gilt wegen dieser Neufassung des § 15 Abs. 1 HOAI, dass die Abnahme aktiv herbeizuführen ist, indem der Architekt/Ingenieur nach Abschluss aller beauftragten Leistungen den Auftraggeber zur Abnahme auffordert. Ohne ausdrückliche Abnahme besteht das Risiko, dass der Auftraggeber, unabhängig von der Abnahmefähigkeit der Leistung, die Schlussrechnung mit Verweis auf die fehlende Abnahme und damit die fehlende Fälligkeit aus rein formalen Gründen zurückschickt.

Unabhängig von der Fälligkeit des Honoraranspruches bedarf die Leistung eines Architekten/Ingenieurs wie jede andere werksvertragliche Leistung der Abnahme. Die obergerichtliche Rechtsprechung definiert die Abnahme als körperliche Hinnahme einer Leistung im Rahmen der Besitzübertragung, verbunden mit der Anerkennung des Werkes als im Wesentlichen vertragsgemäße Leistung. Umfasst ein Auftrag demnach die Erstellung von Planunterlagen, kommt es für die Abnahme auf die Übergabe dieser Unterlagen an.

Handelt es sich bei den Architekten- und Ingenieurleistungen demgegenüber auch um geistige Leistungen, die nicht in Unterlagen Eingang finden können, wie beispielsweise die Objektüberwachung, erfolgt die Abnahme, indem der Auftraggeber diese Leistung als im Wesentlichen vertragsgemäß anerkennt. Da Die Abnahme nach § 15 HOAI nunmehr Fälligkeitsvoraussetzung für den Honoraranspruch ist, werden sich zukünftig auch Architekten und Ingenieure gelegentlich  mit einer Abnahmeverweigerung des Auftraggebers konfrontiert sehen.


Teilweise übernommen von Dr. Eva Reininghaus RAin